Gärreste werden zu Pellets weiterverarbeitet
Landwirtschaftliche Biogasanlagen vergären auch Industrieabfälle
Nach den ersten zwei gebauten Biogasanlagen in Frankreich hatte WELTEC BIOPOWER im Winter 2009 zwei weitere Aufträge aus dem Nachbarland erhalten. Eine dieser Premiumanlagen wurde durch unsere dem Vertriebsorganisation nach Colombey les Choiseul verkauft und nahm im Herbst 2010 ihren Betrieb auf. Auftraggeber waren die Gebrüder Pilippe und Gerôme Collin, die dort einen Agrarbetrieb mit 80 Milchkühen betreiben. Mit einem zusätzlich eingestellten Mitarbeiter begannen die Brüder im Winter 2010 Strom zu erzeugen.
Der Betrieb steht sehr abgelegen am Ende des Stromnetzes des örtlichen Versorgers rund 100 Kilometer südwestlich von Nancy – an der Grenze von Lothringen und der Champagne. Um hier ein Kilowatt Strom zu erzeugen, mussten drei Kilowatt aufgewandt werden. Somit entlastet die Einspeisung des Stroms auch den Versorger. Nicht nur deshalb hatten die Collins im Jahr 2006 zum ersten Mal mit dem Gedanken gespielt, Strom und Wärme zu erzeugen. Bis zur Gründung der Energiesparte „EUREK’ALIAS“ im Jahr 2010 sollten aber noch vier Jahre vergehen.
Die Biogasanlage ist den Dimensionen und Bedingungen des Hofs optimal angepasst: Sie verfügt über einen 1.571 Kubikmeter-Fermenter und einen 30 Kubikmeter großen Dosierer. In der 250-Kilowatt-Anlage wird der Gärrest aus dem Bioabfall in der Hygienisierungseinheit erhitzt, separiert und anschließend mit einem Bandtrockner getrocknet. Aus dem Trockengut erstellen die Betreiber mit der erzeugten Wärme Pellets, die sie je nach Bedarf als Brennstoff und Dünger selber nutzen oder verkaufen können.
„Den Gärrest bringen wir als Dünger auf unserer hofeigenen Anbaufläche aus. Wir haben festgestellt, dass die agronomische Qualität höher als die von Rohgülle ist“, sagt Pilippe Collin.
Verschiedenste Abfälle als Input
Dass die Anlage sowohl landwirtschaftlich als auch industriell betrieben werden kann, gilt als technische Besonderheit: Sie ist auf Rindergülle, Rindermist, Rasenschnitt und Grassilage, aber auch auf Speisereste, Backabfälle und Flotatfette ausgelegt. Die Industrieabfälle wie Senf, Mayonnaise, Brot-teig, Tütensuppen und Fette stammen aus regionalen Betrieben, die von einem lokalen Entsorger angeliefert werden. Zudem arbeitet „EUREK’ALIAS“ mit einer lokalen Eisfabrik zusammen und nimmt deren Fehlchargen ab.
Warum haben sich die Brüder Pilippe und Gerôme Collin für die Technik aus Vechta entschieden? Nachdem zunächst andere Anbieter kontaktiert wurden, ergab ein Wettbewerbsvergleich, dass WELTEC Anlagen nicht nur nachwachsende Rohstoffe vergären können. Ausschlaggebend war die Expertise und der Ruf von WELTEC in Sachen industrielle Abfallvergärung. Zudem stellten sie fest, dass die Technik zur Hygienisierung, des Separators zur Entwässerung des Gärrestes und der Vorrichtung zur Trocknung bei WELTEC aus einer Hand kommt .
Biologischer Service überzeugt
"Ein Besuch von WELTEC Anlagen in Deutschland hat uns zusätzlich von der Performance der Technischen Features überzeugt", sagt Philippe Collin. Zusätzlich konnten die Niedersachsen mit ihrem biologischen Service punkten. Philippe Collin: "Die regelmäßige Beprobung wird zugesandt und wenn neue Inputstoffe hinzukommen, stimmen wir mit der Biologie sofort die Änderungen im Befütterungsplan ab."
„Die verlässliche Technologie bedingt ganz wesentlich unseren wirtschaftlichen Erfolg", ergänzt Philippe Collin. Zu den Einnahmen durch den unterbrechungsfrei gelieferten Strom kommt der Zusatzverdienst durch die Abnahme von Abfällen. Philippe Collin: "Neben einer Vergütung für die Abnahme von Abfällen bekommen wir als Einspeisetarif für den Strom 14,5 Cent pro Kilowattstunde. Die Vergütung ist hoch, weil die Anlage durch die Wärmenutzung über einen Wirkungsgrad von 75 Prozent verfügt. Durch die Erzeugung erneuerbarer Energien hat sich natürlich auch unser Image gewandelt, indem wir uns von einem Agrar- hin zu einem grünen Energieerzeuger entwickelt haben."
Das schlägt sich auch in regem Interesse wieder, das am Standort herrscht. "Am Tag der offenen Tür im letzten Mai waren an zwei Tagen etwa 2000 Nachbarn und Interessenten aus der Umgebung hier. Die Besucher haben diesen hohen Technologisierungs-Grad auf einem landwirtschaftlichen Betrieb nicht erwartet und waren entsprechend überrascht", freut sich Philippe Collin.
Das spricht sich anscheinend rum im Nachbarland, denn insbesondere beim Bau kleiner landwirtschaftlicher Anlagen mit Kofermentation von Abfällen ist ein deutlicher Zuwachs von Aufträgen aus Frankreich zu verzeichnen. Die Landwirte minimieren so auch das wirtschaftliche Risiko, weil zusätzlich andere Rohstoffe in der Anlage vergärt werden können. Seit 2009 vereinfacht zudem das novellierte französische Immissionsrecht die Anmelde- und Genehmigungsverfahren für Biogasanlagen.
Atomstromland Frankreich
So soll der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch im europäischen Durchschnitt bis zum Jahre 2020 mindestens 20 Prozent betragen. Schon damit dürfte die Pariser Regierung alle Hände voll zu tun haben, denn noch hinkt das Atomstromland Frankreich in dem Bereich hinter Deutschland und anderen europäischen Ländern her. Erneuerbare Energien decken momentan knapp 15 Prozent des französischen Bedarfs. Die Tendenz dürfte jedoch ansteigen - auch Dank derart positiver Erfahrungen ehemals reiner Agrarbetriebe, die das Land nun dezentral mit grüner Energie versorgen.






